Archive for September, 2005

Wir sind Deutschland II

Wednesday, September 28th, 2005

Nachdem der späte Abend nichts Spannendes für mich bereit hielt, habe auch ich meinen Beitrag zur der Aktion geleistet, die Deutschland aus dem Koma rütteln soll. Die Flickr-Parodie-Gruppe entwickelt sich prächtig, Telepolis und Titanic verlinken darauf, da will man doch selbst nicht knausern. Hier also mein Entwurf.

Vorgeschichte bei mir und beim Initiator Spreeblick. Echo zum Thema in der Blogosphäre bei Technorati.
Daß es nicht immer Deutschland sein muß, beweist der Blognachbar.

Du bist Florida Rolf

Wahlweblogs – das Fazit

Wednesday, September 28th, 2005

Die Lieblingsseite von Politikwissenschaftlern (aber beileibe nicht von Feedreadern), Politik-Digital, hat jetzt ein Fazit über den Einsatz von Weblogs rund um den Wahlkampf gezogen. Dem zugrunde liegt die Studie „Internet im Wahlkampf 2005“ des Lehrstuhls für Politikwissenschaft II der Universität Bamberg.

Zwei Schlussfolgerungen werden gezogen:

[Die] Nutzung dieser Form des Meinungsaustausches die Angelegenheit einer kleinen Gruppe von hoch gebildeten, politisch stark interessierten Internetnutzern, die politisch eher dem linken Spektrum zuzuordnen ist.

Dem kann ich nur teilweise zustimmen. Ich hatte eher, gerade beim Lesen der Kommentare in Weblogs, den Eindruck, daß man sich auf Provinzzeitung-Leserbriefniveau unterhält. Auch die Artikel verfielen gerne in einen zu lockeren Ton.
Besonders enttäuschend allgemein das Meinungsspektrum. Viel zu oft wurden die offiziellen Parteiformulierungen 1:1 übernommen und nachgebetet.

Zum anderen stellen Weblogs für diese Gruppe eine starke Bereicherung des Angebots an politischer Information und eine Plattform für politische Diskussionen dar. Da die Zusammensetzung der politischen Blogosphäre darauf schließen lässt, dass es sich dabei vor allem um so genannte Meinungsführer handelt, ist eine starke indirekte Wirkung von Weblogs auf die „öffentliche Meinung“ jedoch keineswegs ausgeschlossen

Nunja, wir wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen. Ich denke, man hat erstmal mit dem Medium Wahlblog experimentieren müssen, und ein blogeigener Stil hat sich nur bei wenigen herausgebildet. Aber trotzdem bin ich für die Zukunft sehr optimistisch und gespannt, wie sich das bis zur nächsten Wahl entwickelt. Die meisten werden wohl wieder eingestampft (bzw. sind es schon), dafür werden neue hinzukommen. Lautgeben.de bsw. schaffte aus dem Stand heraus in 105 Tagen 255 Postings von 11 Autoren mit ungezählten Kommentaren und stolze 224 Trackbacks. Das spricht für die hohe Akzeptanz des Mediums Politikblog.

Weiter Einschränkung von Verlinkung

Wednesday, September 28th, 2005

Die deutsche Rechtssprechung macht sich in Sachen Verlinkung wieder auf nach Absurdistan. Nicht, daß man schonmal den Eindruck gewonnen hätte, das Internet sei bei der Richtergeneration in service schonmal verstanden worden. Aber das neuste Urteil beweist doch wieder das mangelnde Verständnis. Jetzt ist man sogar die Verlinkung mittels eines Hashes verboten. Ein Hash ist eine Art Prüfsumme einer Datei, die sie eindeutig identifizierbar macht. Deshalb werden Dateihashes von mehreren Tauschbörsen genutzt, u.a. auch vom Edonkey-Netz. Daß dort auch Dinge getauscht werden, die urheberrechtlich nicht immer einwandfrei sind, wissen wir. Aber das Posten eines Dateihashes ist vergleichbar mit dem Posten eines Dateinamens.
Die deutsche Rechtssprechung lehnt sich doch recht weit aus dem Fenster – auch mit der Haftbarkeit für Links generell. Jede Suchmaschine führt direkt zu jeder Seite und kann auch von jedem Laien in sekundenbruchteilschnelle gefunden werden. Das Netz hört nunmal nicht an der deutschen Grenze auf.

Brechende Dämme und Bras

Tuesday, September 27th, 2005

Auch wenn hierzulande Politiker mit Machttrunkenheit oder fortgeschrittener Stuhlhaftung zu kämpfen haben, das gabs bisher noch nicht: Der amerikanische Präsident verfällt wieder in den Alkoholismus, während vor dem Weissen Haus barbußige Soldatenmütter demonstrieren.

Wir sind Deutschland

Tuesday, September 27th, 2005

Parallel zur kaum ertragbar dummen Mediankampagne “Du bist Deutschland” gibt es nun eine schöne Flickr-Gruppe, die sich dem Thema satirisch nähert. Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint – da hilft auch alle Prominenz nicht weiter.
[via bass], Deutschland

1 Monat Stoiber

Sunday, September 25th, 2005

Jetzt, wo die CSU eine eigene Partei ist und wir brüderlich die Kanzlerschaft teilen, sehen wir natürlich auch einer Kanzlerschaft Stoibers entgegen, wenn auch als Vertreter einer Splitterpartei nur für wenige Wochen. Das ist also der Masterplan hinter Stoibers geheimnisvollem Schweigen bezüglich seiner Rolle in Berlin?

Berlin Blog

Sunday, September 25th, 2005

Willkommen in der maccorama-Familie: das englischsprachige Berlin Blog – Inofficial and Incomplete.

Trinidad-Koalition

Tuesday, September 20th, 2005

Trinidad-Tobago-Koalition… klänge doch eigentlich viel schillernder als “Große Koalition”.
Wenn die Journaille schon Anleihen bei Staatsflaggen nimmt (Jamaica-Schwampel), dann doch bitte konsequent. Voila, also, Trinidad-Tobago. [Beruf Terrorist/Zeit]

Der Flaggenspaß geht weiter. Die Karibik, seit jeher Vorbild für good governance und transparency, bietet ein dankbares Reservoir für Vergleiche mit unserer bundesdeutschen Politik. Jetzt also Trinidad & Tobago.
Nunja, immerhin: Der deathcount auf Port-of-Spains Straßen ist auch (noch) nicht mit dem Kingstoner vergleichbar – Omen für Rot-Schwarz?

Jedoch würde Trinidad-Koalition eher auf eine sozialdemokratisch geführte Koalition hinweisen, in die die Schwarzen noch hineinwachsen müssen (deshalb das weiß).

Von mir präferiert ist jedoch klar die St.Kitts-Koalition: eine Schwarz-Rot-Grüne Koalition mit liberalen Elementen und pointierten Auslassungen an strittigen Stellen wie Atomkraft.

Jamaikakoalition

Monday, September 19th, 2005

Alles spricht von Jamaika-Koalition. Deshalb wollen wir doch mal überlegen, was das für Deutschland bedeuten würde: jamaikanische Verhältnisse in der Politik.

Die beiden Volksparteien würden paternalistisch geführt werden. Keine quertreibenden Landesfürsten stören, denn die Parteiführer können nur durch den Tod abgewählt werden.

In Berlin-Mitte ziehen schwerbewaffnete Banden umher, die jeweils eine Partei repräsentieren. Wahlkampf kommt hier buchstäblich von Kampf. CDU und SPD würden dafür sorgen, daß es an Waffen (Uzis) und Munition nicht mangelt. Die einen bezögen es vom amerikanischen Geheimdienst, die anderen von Russland. Der parteikampfbezogene Deathcount in der Hauptstadt würde etwa bei 500 liegen.

In Paris, London und Warschau sind deutsche Banden wegen ihrer Brutalität äußerst gefürchtet. Der europäische Rauschgifthandel ist eindeutig in ihrer Hand und beschehrt den Parteien volle Kassen.

Die recht aktive Musikindustrie, die ihrerseits finanziell den Banden und damit den Parteien hörig ist, würde zur Popkomm keine neuen Adoleszenzstars und Klingeltöne feiern, sondern neues Liedgut zur Verhöhnung der jeweiligen Parteiführer präsentieren. Großer Beliebtheit erfreuten sich Lieder gegen Lesben, seit die SPD Angela Merkel in einer breit angelegten Kampagne als lesbisch diffamiert hat. Schwulen/Lesben-Verbände in der dritten Welt bezeichnen deshalb Deutschland als tief homophob und boykottierten alle deutschen Künstler.
Die dt. Fußballmannschaft, die sog. “Auto Boys”, scheiden schon in der WM-Vorrunde aus.
Wahl

Gewonnen

Monday, September 19th, 2005

Alle haben gewonnen. Niemand hat verloren. Das ist das schöne Fazit der Bundestagswahl.

Und nicht nur das: auch für erklärte Nicht-TV-Seher hat sich der abend vor der Glotze ausbezahlt: ratlose Journalistengesichter und eine Elefantenrunde, die an Dramatik ihresgleichen sucht. Davon ist jede Hausfrauensoap weit entfernt.

Die Verlierer dagegen sind eindeutig: die Medien. Die unzählig heruntergebetete Prophezeiung hat sich nicht selbsterfüllt. Der schöngeredeten und -geschriebenen Kanzlerkandidatin bröselte buchstäblich der Lack ab, wunderbar zu beobachten während der Elefantenrunde. Spiegel, FAZ, Bild und Focus haben ihren Denkzettel bekommen. Ihre Kampfansage war offen und unverblümt, jetzt gilt es, die Leichen zu zählen.