Archive for October, 2004

One man one vote und die Wahlmaschinen

Monday, October 25th, 2004

Die Zeit schreibt über das Wahlverfahren in den USA, das im Old Europe nicht nur für Verwunderung sorgt. Warum kann die “Mutter der Demokratie”, die zudem Demokratie als wichtiger Exportartikel sieht, selbst nicht eine saubere Wahl organisieren?

Aber gerade deshalb bleibt es eine Groteske, dass die Grundregel der Demokratie ausgerechnet in der „Mutter aller Demokratien“ nicht überzeugend durchgesetzt werden kann, sondern in einer peinlichen Schlamperei versinkt.

Offenbar sind die vielfach kritisierten Wahlmaschinen, die Manipulationen ermöglichen, selbst den Entwicklern der Automaten nicht geheuer. Indymedia veröffentlicht Dokumente, die die mangelnde Sicherheit und Schutzmechanismen belegen sollen.

Zahnloses NEPAD

Sunday, October 24th, 2004

Um das Partnership for Africa’s Development (kurz NEPAD), das im Oktober 2001 mit viel Hoffnung vorgestellt wurde, ist es recht still geworden. Jetzt meldet sich einer der Architekten, der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade, zu Wort. Es gäbe kaum Fortschritte, zu viel Energie und Geld sei von Konferenzen verschlungen worden.
Der Plan sah nicht nur Selbstkontrolle in den Bereichen Good Governance, Ökonomie und Menschenrechte vor, auch sollten westliche Entwicklungshilfegelder in Projekte fließen, die von afrikanischer Seite im Rahmen des NEPAD initiiert wurden. Und genau hier scheint der wunde Punkt zu liegen: Kaum ein westliches Land ist bereit, von der eigenen Geldverteilungspolitik zugunsten eines afrikanischen Plans Abstand zu nehmen. Damit muß NEPAD scheitern. Es bleiben also Entwicklungsprojekte, die nur selten koordiniert sind, meist eigenen Interessen gehorchen oder auch nur Aktionismus vortäuschen wollen. Zu einer gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Afrika und den westlichen Staaten ist man noch weit entfernt.
Mehr zu NEPAD bei AfricAvenir.

Willkommen daheim, iBook

Sunday, October 24th, 2004

Wie schon vorher angedeutet, hatte mein iBook kürzlich den Geist aufgegeben. Mit iBooks ist das ja so eine Sache: Betriebssystem und Applikationen schaffen eine angenehme Wohlfühlumgebung, das Gerätedesign ist auch konkurrenzlos. Nur mit der Hardware happerts gewaltig. Den Eindruck bekam ich relativ schnell. Zum Beispiel sitzt der Deckel mit zugeklappten Zustand nicht wirklich bündig und die Arbeit des Schubladen-CDROM – Laufwerks wurde auch von Tag 1 mit meinem kritischen Blick begleitet. (more…)

Panthers Going To The Moon

Sunday, October 17th, 2004

Calypsobloggen wartet zwar noch auf den großen Durchbruch, was uns aber nicht hindern soll, den Calypso für diese Woche vorzustellen.
Mit dem SpaceShipOne ist kürzlich einem ersten kommerziellem Projekt gelungen, den Orbit zumindest zu schrammen. Deshalb sollen uns die Worte von Mighty Panther in seinem Calypso “Panthers going to the moon” (7″single, Pat-Vern Rec Barbados) mahnen:

There’s a conspiracy I was told / within the white people throughout the world
since we fought for racial polity /and social justice for everybody
we demanded totaly depression / but the white folks have a plan
they preparing to leave us soon / and they’re all going to the moon.
They’re leaving me here (no no no), they’re leaving me here (no no no)
no white man is going to the moon and leaving the Panther here.

Naipaul: Roman tot

Saturday, October 16th, 2004

Trinidads einziger Nobelpreisträger für Literatur, Sir Vidiadhar Surjaprasad Naipaul, hat den Roman für tot erklärt. Die heutige Zeit lasse nicht mehr die Konzentration zu, die ein Buch fordere.

You can see a movie in two hours. Recently I decided to revive my interest in the classics again and in six months I borrowed and saw all the classics. You can’t read books like that.
“For a book, you need to read and think for almost a week. No one has that kind of time anymore. That’s why the books that are now being written no longer present society to society. [Source]

Gleichzeitig kündigt der 72jährige Autor bei der Vorstellung seines aktuellen Buches, Magic Seeds, das Ende seiner eigenen Schriftstellerkarriere an. Wir finden, er hat eine ganze Menge sehr schöner Bücher geschrieben, wie z.B. The Mystic Masseur (1957), A Bend in the River. (1979) oder der historisch-dokumentarische Roman The Loss of El Dorado : A History. (1969), die ihn zu einem der souveränsten Autoren zeitgenössischer englischsprachiger Literatur machen.

An der Ostsee

Saturday, October 16th, 2004



Leuchturm, Darß/Ostsee

Originally uploaded by keen3tix.

Wenn der Berliner etwas Horizont sehen möchte, fährt er raus. Zum Beispiel nach Darß an der Ostsee. Wenn man noch einen so sonnigen Herbsttag erwischt wie wir, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Auf dem Photo sieht man den Darßer Leuchtturm im Naturschutzgebiet, das nur zu Fuß oder Pferdekutsche zu erreichen ist.

Blogs – die Anti-Zensur-Maschine?

Friday, October 15th, 2004

Je mehr Zensur und Repression im Internet um sich greifen, sei es durch staatliche Stellen oder “nur” durch Abmahnungs-Wilderer, desto lauter und dringlicher wird der Ruf nach dezentralen und nicht mehr physikalisch gebundenen Systemen ähnlich mancher p2p – Netze. Entsprechende Werkzeuge wie p2p – “Webspace” oder – Foren stehen allerdings noch weit vor Vollendung (btw kennt jemand aktuelle Projekte?).
Umso interessanter deshalb die Feststellung, die tzwaen gemacht hat: ein Quell-Artikel macht seine Runde in der Blogosphäre und wird dort von den Bloggern mit unterschiedlichem Fokus zitiert, so daß in dem angegebenen Beispiel 2/3 des Original-Beitrages über Blogs rekonstruierbar wurden. Dank Killerfeatures wie Trackback wäre es theoretisch denkbar, mit Blogs Informationen dezentral vor Zensur zu schützen.. immer gewürzt mit der persönlichen Note des jeweiligen Bloggers. Dies wird zwar nur ein theoretisches Konstrukt bleiben, da ja die Dringlichkeit einer Nachricht überall unterschiedlich eingeschätzt wird, ist aber als Denkansatz durchaus spannend. [via Moe]

Unschuld vs. Drillinge

Thursday, October 14th, 2004

Zwei aktuelle Animationsfilme, “Les triplettes de Belleville” (Juni 2004) und “Ghost in the Shell II: Innocence” (März 2004) gehören zwar grundsätzlich verschiedenen Genres an, aber trotzdem hier mal eine kurze Gegenüberstellung:

Innocence hat alles, was man im graphischen Bereich von einem Anime erwarten darf. Wenn auch die eine oder andere computererzeugte Textur mißfällt und der 180° Kameraschwenk mittlerweile überreizt ist, darf man getrost vom zeichnerisch besten Animationsfilm sprechen. Oder zumindest Gleichstand mit “Metropolis”. Wie schon der erste Teil ist auch “Innocence” sehr textreich. Jedoch vermisst man schnell die Tiefe der Story und Philosophie. Zitate von Miltons “Paradise Lost”, Descardes oder sogar der Bibel (Altes Testament selbstredend) verschwinden im Nebel der Storyline. Man gewinnt den Eindruck, daß der Inhalt bewußt düster gehalten ist, um von Schwächen der eigentlichen Geschichte abzulenken. Die zeichnerische Stärke macht das jedoch souverän wett – man sollte sich nur nicht zu lange mit den schnell aufeinanderfolgenden Subtiteln aufhalten. Lustigerweise habe ich mich vom Kinobesuch in Tokyo noch von den fehlenden Subtiteln abhalten lassen (die Version mit den englischen Subtiteln wurde am Tag meines geplanten Kinobesuchs wegen zu groben Fehlern aus dem Programm genommen). Jedoch: Die Jagd nach dem mysteriösen Hersteller der beseelten Roboterpuppen gewinnt nicht durch den Dialog.

Die “Triplettes” kommen ohne Dialoge aus. Der Film ist eine französische Produktion, man spricht also französisch, jedoch sind die 3 Sätze, die im Film fallen, auch ohne Übersetzung verständlich. Story, Setting und Figuren sind schon für sich ein Meisterwerk. Das kommt nicht von ungefähr, hat sich doch der Macher Silvain Chomet fünf Jahre zur Umsetzung Zeit gelassen. Die Szenen sind von berauschender Schönheit und Tiefe, obwohl bzw. gerade weil die Charaktere sehr cartoonesk geschnitten sind. Das ästhetische Universium des sehr originellen Streifens ist in sich geschlossen und schlüssig, fernab aller Sehgewohnheiten a la japanischer Anime oder den großen Studios in Hollywood. Eher grüßt die französische Comictradition, gemischt mit Ionescos Absurden Theater. So wurde der Film auch durch die Bank durch von der Presse hochgelobt. Nicht zu unrecht!

Das Platteninnencover

Tuesday, October 12th, 2004

Wonach die Plattensammlung sortiert werden soll, ist ja ein leidiges Thema. Es böten sich an alphabetisch, thematisch oder biographisch. Einen neuen Ansatzpunk könnte sich bei Woebot finden, der sich in diesem Artikel ausführlich mit den Innencovern von Vinylplatten beschäftigt. [Vorsicht, Artikel über 3MB.]

Interview mit Maximus Dan

Tuesday, October 12th, 2004

Auf der Reggae/Soca – Seite dancehallmusic.de kann man mein Interview mit dem Trinidadischen Soca-Künstler Maximus Dan lesen, das ich während dem Notting Hill Carnival geführt habe. Viel Spaß!