Archive for July, 2004

Der Anti-Bush

Monday, July 26th, 2004

Jetzt ist es dann bald soweit: John Kerry wird zum Kandidaten der Demokratischen Partei der USA ernannt werden, und damit einhergehend auch zum Anti-Bush. Zwar ist er bekanntlicherweise kein Kriegsgegner, und auch zum “War on Terrorism” hat er bisher die Diskussion nicht gerade um neue Aspekte bereichert.

Warum beschäftigt man sich so leidenschaftlich außerhalb der USA mit diesem Wahlkampf? Nun, der Glaube an einen Erlöser, der alles wieder gut macht, scheint mehr denn je verbreitet. Ein frisches Zahnpastalächeln im Weißen (!) Haus mag im verwunschenen alten Reich der Fehen, Knilche und Gespenster voriger Jahrhunderte (aka Old Europe) neue Hoffnungen wecken. Doch werden sich die Politikinhalte der USA durch einen Stilwechsel an der Spitze kaum ändern.

Warum dürfen eigentlich wir nicht auch mitwählen, den Weltpräsidenten? Ist es, weil hier das difizile und über Jahrhunderte gewachsene System des Wahlbetrugs nicht verstanden wird? Das kann es kaum sein, feiert doch auch hier die Balkanisierung der Politik täglich immer wieder eine fröhliche Premiere. Zumindest den Übersee-Departements sollten die Amerikaner, gemäß der Frontier – Ideologie, Wahlrecht geben: ob Afghanistan oder Irak, Polen oder Japan, sie hätten sich texanische Wahlautomaten auf neustem technologieschen Stand verdient. Die Stimmen müßten ja nicht gleich 1:1 gewertet werden. Eine texanische Stimme entspräche, nur mal als Beispiel, 5 von königlichen Verwaltern der amerikanischen Erdölvorräte im Wüstensand. Denkbar wäre auch ein Modell, das die Anzahl der im Irak eingebrachten Soldaten als Stimmen verrechnet (Kollateralschaden zählen doppelt, freundliches Feuer dreifach, und zu unrecht gehaltene Kriegsgefangene in nahen Kuba werden als kleines Sorry wie ein Latino-Neighborhood im Süden der USA gewichtet).

Leider bleibt alles nur Spekulation, die gute und gerechte Open Source USA gibt es halt leider nicht. Lediglich ein Vasallenreich (Hannoversche Ausgründung) vor den Toren Europas scheint ein ausgeklügeltes und zugleich prunkvolles Abhängigkeitsgeflecht aufgebaut zu haben.

Marflix, blatantly, is a handwringing coward.

Saturday, July 24th, 2004

Das schreibt man bei R. Robot Weblog über mich. Beruhigend, daß es nur ein Bot ist. Nur: künstliche Intelligenz ist es noch keine, wenn in über google oder randomwebpages gezogene Texte ein Namen eingesetzt wird.

The Box Doodle Projekt

Wednesday, July 21st, 2004


Eine sehr nette Gallery für künstlerische Kartonausrisse findet sich beim ständig wachsenden box doodle project.
Mit dabei auch Künstler, die man aus dem Straßenbild kennt. Definitiv ein Durchstöbern wert!
[via Dr. Web Weblog]

I hate FinalScratch

Tuesday, July 20th, 2004

Der mir unbekannte Künstler London Electricity im Interview mit dem übrigens sehr schön gemachten PDF-Magazin Cuemix:

I HATE FINAL SCRATCH. IT’S GOOD FOR DJS WHO HAVE TO PLAY
HOTELS OR BARS, FOR DJS WHO AREN’T EXPECTED TO ENTERTAIN. I’VE NEVER ENJOYED WATCHING A DJ USING IT Р IT LOOKS SHIT. IT MAKES THE DJ USING IT LOOK SHIT TOO. IT’S ALL ABOUT VINYL.

Wieder einer, der gute Unterhaltung vom Medium abhängig macht.. It’s the selection, stoopid!

Hornologentagung am Kap Horn

Monday, July 19th, 2004

Die Hornologie ist in Deutschland ein wisscenschaftlich völlig unterbelichtetes Thema. Keine Universität lehrt, kein Lehrstuhl vermittelt, keine Klinik heilt. Ein Pilotprojekt entstand jetzt auf der Hornisgrinde., wo zehn namhafte Hornberger Schützen jetzt wie Hornissenschwärmer arbeiten.
[Anmerkung: Dieser Beitrag ist völlig sinnfrei und nur für den g00glb0t gedacht :D]

WordPress Klappe “Die Letzte”?

Sunday, July 18th, 2004

Eigentlich war ich mit WordPress als Blog-Maschine hier recht zufrieden, bis die Probleme anfingen:
Trackbacken, sowohl verlassend als auch ankommend, ist wie Russisch Roulette: manchmal machts *peng, manchmal aber auch nur *klack*.

Ein Weblog ohne zuverlässige Ping- und Trackbackfunktion ist für mich mit Verlaub keines. Auch mit meinem Blogclient ecto (immerhin Kaufware!) hatte mit wp deutliche Schwierigkeiten.
Eine Parallelinstallation mit Nucleus/Blog:CMS wäre einsatzbereit, aber dank des Artikels im Developerblog, das für die kommende 1.3 Besserung im Trackback/Ping – Verhalten verspricht, erstmal hintenan gestellt. Nicht zuletzt deswegen, da ein Exportmodul momentan noch nicht existiert, aber in der 1.3 kommen soll..

Das Google-Spiel

Saturday, July 17th, 2004

Nicht, daß Spielchen um die beliebte Suchmaschine was ganz neues wäre, aber ein netter Googlewhack darfs hin und wieder sein.
Ich fang mal an mit: “Containerstadt Rucola” (google.de)

Happy Birthday Mighty Sparrow!

Friday, July 16th, 2004

Er ist zweifelsohne der einfluÃ�reichste und gröÃ�te lebende Calypsonian: Slinger Fransisco aka The Mighty Sparrow. Wir gratulieren mit seinem ersten Hit, den Trinidad Carnival Roadmarch von 1956 “Jean and Dinah” (1956 Kay Rec. Trinidad). In diesem Song macht sich Sparrow über die Damen lustig, die einst mit den nun abgezogenen US GIs ausgingen und jetzt wieder mit “einheimischen” Leuten wie Sparrow vorlieb nehmen müssen.

zum 70. Geburtstag von Wole Soyinka

Wednesday, July 14th, 2004

“Es gibt Autoren, deren besondere Kraft sich darin zeigt, wie sie den Alltag einer fremden Lebenswelt beschreiben – sei es die russische Provinz oder die nordhessische Wetterau – und so erzählend nahebringen, was uns ansonsten fernliegt.” FAZ am 13. Juli

Ab das die beiden freundlichen Nordhessen von nebenan amused, sei mal dahingestellt.

“Völkische Synkopen”

Monday, July 12th, 2004

Bashing Teil 3 – Heute: Reggae

Jetzt weiß es auch Deutschland und eine über 10 Jahre alte Diskussion ist im Weblog angekommen: jamaikanischer Reggae ist zutiefst homophob!
Auch die Wikipedia zeugt wieder von gründlicher Recherche ihrer Autoren.

Ich gehe sogar weiter – meine These: Reggae ist vom 1. Handlanger des Teufels erfunden. Damit wäre auch der Vorwand für christliche Fundamentalisten gefunden, sich beim nächsten Reggae-Konzert – Sprengen bei den dort schon angekommenen einzureihen.

Doch beim Veranstalter Europas größtem Reggaefestival weiß man Rat:

Bei der Programmplanung für das nächste Summerjam-Festival will man sich auch aus diesem Grund wieder auf klassischen Reggae konzentrieren. “Es werden bereits Gespräche geführt, die Söhne von Bob Marley [SIC! m.] für ein weltweit einzigartiges Konzert zusammenzubringen.”

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Satirefreie Anmerkung von mir: Das Problem homophober Reggae-Texte existiert zweifelsohne und wird, wie schon angedeutet, seit weit über einer Dekade (Start mit dem Erfolg Buju Bantons “Boom Bye Bye” in USA) wird über das Thema diskutiert, gerade besonders mit den Artists selbst. Diese machen sich entweder die Wirkung außerhalb Jamaikas nicht immer ganz bewußt, oder sie sind sich derer ganz bewußt und sonnen sich gerne im Provokationspotential.
Auch die übliche Trennung a la Buju Banton (unproblematischer Sonnenscheinreggae auf den Alben für den außerjamaikanischen Markt – homophober Hardcore Dancehall auf kleinen jamaikanischen Hinterhof-Labels für den inländischen Markt) funktioniert dank guter Vertriebsvernetzung und Internet so nicht mehr.

Jedenfalls besteht kein Bedarf an Gutmensch-Ratschlägen und hanebüchener Argumentation wie obige von “außerhalb” der Reggaeszene. Die Gleichung “Reggae = homophob” geht nicht auf und steht auch noch auf dem Kopf.
Zumindest vom Kopf zurück auf den Fuß gestellt hat es der Zündfunk. Damit wird sie aber noch nicht richtiger. Aktionen, die Künstler zensieren, sind eh immer mit allerhöchster Vorsicht zu geniesen – egal, ob sie berechtigt erscheinen mögen. Man muß verstehen, daß ein in Europa gesprengtes Konzert jamaikanischer Künstler ein tief in der jamaikanischen Volkskultur verankerten Denken nicht ändern kann, sondern die Künstler, die das homophobe Denken in ihren Texten in die Welt multiplizieren, eher befremden und den Dialog darüber empfindlich erschweren.

[via Leben in Graustufen]