Der Palast geht

Der Palast der Republik, bekannt auch als “Erichs Lampenladen”, soll jetzt entgültig weg. Nachdem die Lampen schon in den letzten Jahren auf Berlins Flohmärkten verscheuert wurden, soll an prominenter Stelle erstmal ein Nichts hin. Oder noch ein schöner Parkplatz. Eigentlich soll ja Preussens Schl0ß wieder hin, aber die 2,2 Milliarden Euro hat man noch nicht ganz zusammen. Es ist ja nicht so, daß der Palast ein besonderes Schmuckstück ist, und auch als zeitgeschichtliches Monument finde ich es auch nicht notwendig und brauchbar. Aber: Erstmal Abriß und dann Fragen stellen – ein Motto, das zwar für Berlins Soca Parties gilt, aber wohl kaum für städtebauliche Planung. Zumal sich durch eine sinnvolle Zwischennutzung (z.B. Fraktale, Volksberg,..) das Ding nicht ganz unbrauchbar rumstand und gleichzeitig einer Kultur, mit der sich Berlin im Ausland gerne schmückt, einen Raum gegeben hat.
Aktion Stopptage.

2 Responses to “Der Palast geht”

  1. Der420er says:

    also imo ist der palast der republik schon ein notwendiges zeitgeschictliches monument, es ist immerhin der ort der unterzichnung der wiedervereinigungsdokumente….
    toll an der debatte find ich auch, dass immer wieder gesagt wird, der palast stehe nicht für freiheit und demokratie – aber das stadtschloss schon oder wat?

  2. Mey says:

    Auf jeden Fall ist der Palast ein zeitgeschichtliches Monument. Nicht nur als Regierungsgebäude einer vergangenen Zeit*, sondern auch unter design- und architekturgeschichtlichen Aspekten. Es gibt kaum ein Gebäude aus dieser Stilepoche, das so konsequent durchgestylt wurde wie der Palast. Es gab eigens entworfene Teppichmuster (jedes Stockwerk in einer anderen Farbe), die berühmten Lampen, gestalterisch hochwertige Bartheken, künstlerisch gestaltete Wände, durchgängig sorgfältig ausgewählte Möblierung… und ein Großteil dieser Dinge wurde demontiert, ist noch ausgelagert und somit intakt vorhanden!
    Auch wenn uns dieser Stil nicht gefallen sollte (ich habe allerdings den Eindruck, daß schon seit etlichen Jahren der Ostberliner Schick der 70er sehr angesagt und hip ist), wenn jede Generation das Erbe der Väter zerstört und das der Großväter geehrt hätte, na, dann hätten wir gar nichts mehr zum Ehren! Schließlich war auch unser wunderschöner Jugendstil-Altbau, in dem wir wohnen, mal total out.
    Wen die Gestaltung des Palasts weiter interessiert, es gibt da ein ganz tolles Buch, dessen Namen ich leider vergessen habe, ein Bildband über den Palast und seine Republik.

    *Auch wenn man nicht einverstanden ist mit dieser Regierungs- und Staatsform, heißt das noch lange nicht, daß man diese reale Vergangenheit löschen könnte oder sollte. Das hieße, denselben Fehler, den die DDR-Regierung mit dem Abriß des Schlosses gemacht hat, zu wiederholen. Abgesehen davon, wenn die Unliebsamkeit der Diktatur der Grund für die Demontage sein sollte, warum stehen dann die meisten Nazi-Bauten noch? Ich finde, ein Gebäude mit Geschichte unter anderem Vorzeichen weiterzunutzen, hat viel mehr von einem triumphalen und demokratischen Sieg, als es plattzumachen.
    Außerdem war der Palast schon zu DDR-Zeiten auch ein Kulturzentrum. Ein solches gerade aber fehlt dem heutigen Berlin. Warum nicht nutzen, was schon da ist?
    Ein nachgebautes Schloß hat meiner Ansicht nach etwas von Disneyland. Vor allem dann, wenn, wie ich gehört habe, es zu einem guten Teil kommerziell genutzt werden soll. Das hat dann architektonisch und künstlerisch nicht mehr Wert als das Werk eines Kopisten, wertvoll höchtens im materiellen Sinne also.
    Ein wunderschönes Zitat von der Seite palastbuendnis.de :”Der Bundestag sollte im Namen künftiger Generationen entscheiden, und nicht im Namen vergangener.”