Kapitalismuskritik

Vor ein paar Tagen hatte ich auf die aktuelle Debatte Müntefering vs Bundespräsident hingewiesen. Mittlerweile ist kaum noch interessant, ob die beiden Reden zu ideologisch geraten sind oder in welchem Wahlkampfzusammenhang sie zu sehen sind. Hochkarätig ideologisch sind sie erstmal beide, jeder auf seine Art. Viel spannender allerdings ist die Diskussion, die jetzt in der Presse entstanden ist. So setzen sich alle großen überregionalen Zeitungen mit diesem Thema relativ fundiert auseinander. Ausnahme bildet hier nur meine Hauszeitung, deren momentane Parole “Regierungsbashing” zu sein scheint.
Hab dazu ein paar Beobachtungen und Fragen:

  • Die die 80er und 90er-Jahre beherrschende Ideologie des Neoliberalismus und der radikale ordoliberale Glaube an die Macht des Marktes, bricht auf. Man hat den Eindruck, daß das dt. Feuilleton nach langer Zeit, in dem jede Kritik an Marktmechanismen unmöglich war, wieder Luft holt.
  • Die Ideen der Antiglobalisierungsbewegung sind im SPD- und, man möchte auch meinen, BRD-Mainstream angekommen
  • Wie wird sich die Diskussion nach der (wahrscheinlich verlorenen) Wahl in NRW entwickeln? Kann sie den Widerspruch der Thesen Münteferings zur Praxis der aktuellen Regierung ertragen? [siehe dazu heute in der SZ und taz]
  • Wird innerhalb der CDU der Merkel-Flügel aufbrechen und eine Diskussion über die programmatisch schon verlassenen Pfeiler soziale Marktwirschaft und katholische Soziallehre stattfinden?

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