Unschuld vs. Drillinge

Zwei aktuelle Animationsfilme, “Les triplettes de Belleville” (Juni 2004) und “Ghost in the Shell II: Innocence” (März 2004) gehören zwar grundsätzlich verschiedenen Genres an, aber trotzdem hier mal eine kurze Gegenüberstellung:

Innocence hat alles, was man im graphischen Bereich von einem Anime erwarten darf. Wenn auch die eine oder andere computererzeugte Textur mißfällt und der 180° Kameraschwenk mittlerweile überreizt ist, darf man getrost vom zeichnerisch besten Animationsfilm sprechen. Oder zumindest Gleichstand mit “Metropolis”. Wie schon der erste Teil ist auch “Innocence” sehr textreich. Jedoch vermisst man schnell die Tiefe der Story und Philosophie. Zitate von Miltons “Paradise Lost”, Descardes oder sogar der Bibel (Altes Testament selbstredend) verschwinden im Nebel der Storyline. Man gewinnt den Eindruck, daß der Inhalt bewußt düster gehalten ist, um von Schwächen der eigentlichen Geschichte abzulenken. Die zeichnerische Stärke macht das jedoch souverän wett – man sollte sich nur nicht zu lange mit den schnell aufeinanderfolgenden Subtiteln aufhalten. Lustigerweise habe ich mich vom Kinobesuch in Tokyo noch von den fehlenden Subtiteln abhalten lassen (die Version mit den englischen Subtiteln wurde am Tag meines geplanten Kinobesuchs wegen zu groben Fehlern aus dem Programm genommen). Jedoch: Die Jagd nach dem mysteriösen Hersteller der beseelten Roboterpuppen gewinnt nicht durch den Dialog.

Die “Triplettes” kommen ohne Dialoge aus. Der Film ist eine französische Produktion, man spricht also französisch, jedoch sind die 3 Sätze, die im Film fallen, auch ohne Übersetzung verständlich. Story, Setting und Figuren sind schon für sich ein Meisterwerk. Das kommt nicht von ungefähr, hat sich doch der Macher Silvain Chomet fünf Jahre zur Umsetzung Zeit gelassen. Die Szenen sind von berauschender Schönheit und Tiefe, obwohl bzw. gerade weil die Charaktere sehr cartoonesk geschnitten sind. Das ästhetische Universium des sehr originellen Streifens ist in sich geschlossen und schlüssig, fernab aller Sehgewohnheiten a la japanischer Anime oder den großen Studios in Hollywood. Eher grüßt die französische Comictradition, gemischt mit Ionescos Absurden Theater. So wurde der Film auch durch die Bank durch von der Presse hochgelobt. Nicht zu unrecht!

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