Radioquote aka Heinoisierung?

Mit der popkomm und dem Einzug in den Bundestag (Anhörung im Kulturausschuss des Bundestages) ist die Diskussion um die Radioquote in die hei?e Phase getreten. So wird auch an allen Ecken der Medienlandschaft ordentlich dagegen gebasht. Tenor: Mit Heino gegen das kaum mehr zu ertragene Dudelradio. Dabei kann man so herrlich links und antideutsch sein. Musikantenstadl für alle? Deutscher Trash über alles? Was ne Horrorvision.
Sogar der Verklausulierungsmeister Diedrichsen bemüht sich zu folgendem Statement:

Auch die beste deutsche Popmusik ging stets von offensiven Aneignungen bewunderter fremder Musik aus. Die Rede von der eigenständigen Popmusik�� ist auch jenseits ihrer ideologischen Hässlichkeit unerträglich.

Das ist so falsch nicht, trifft jedoch den eigentlichen Punkt nicht. Noch off-topicer titelt der Spiegel in seiner Umfrage: “Deutsche Popmusik – Rettet die Quote die Vielfalt?”

Das Dilemma dieser Initiative beschreibt die Jungle World ganz richtig:

Vorneweg die von Heinz Rudolf Kunze. Und gerade das ist ja das Schlimme an diesen deutschen Radioquoten-Diskussionen: Es sind immer noch dieselben alten Deppen, die sich für die Quote stark machen.

Durch die Assoziation mit diesen Namen denkt man bei der Initiative eher an staatliche Gesundstossung von deutschsprachigen Rockern jenseins des Mindesthaltbarkeitsdatums. Jedoch besonders für junge Künstler ist die Quote wichtig, da sie Geld in die Kassen der Künstler spühlt. Geld, das professionelles Arbeiten erst ermöglichen und das Niveau heimischer Produktionen auf internationales Niveau heben. Mit 50000 Alben oder auch nur 5000 kann man nicht wirklich überleben, und der zwangsweise Gang zu McJob ist dem kreativen Prozess bestimmt nicht förderlich.
Man denke an die illustre Zahl an hochwertigen HipHop – Produktionen Ende der 90er Jahre. Nur ganz wenige haben den Sprung in die Dauerprofessionalität geschafft und existieren neben low-level Heimproduktionen aus Berliner Hinterhofstudios, die ihre Beats auf der Spielkonsole bauen. Im oft genannten Paradebeispiel Frankreich gibt es eine ganze Menge Studios, die (meist) auf hohem Niveau produzieren können. Und das liegt nicht daran, daß deutsche Produzenten weniger können als in anderen Ländern.
Das Dudelradio dagegen ist nicht zu retten und wird hoffentlich von der nächsten Sinnflut dahingespült. Vielfalt läßt sich nicht verordnen.

Jedoch: Die Frage ist einfach: Wollen wir ein Bekenntnis zum Produktionsstandort BRD oder bleiben wir beim Glauben, daß Produktionen aus dem Ausland per se hochwertiger sind?

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