Herero

In diesem Zusammenhang soll nochmal auf den historischen Roman “Herero” hingewiesen werden. Zwar wurde das Buch in fast jeder größeren Tageszeitung feuilletonistisch bedacht (kleiner Überblick beim Perlentaucher), trotzdem ist es mir eine weitere Erwähnung wert. In einem recht spannenden und dank gründlicher Recherchen sehr detailiert beschreibenen Roman kann man sich ein recht gute Vorstellung der Zeit machen. Der eigentlich als Landvermesser nach Deutsch-Südwest gekommene Carl Ettmann wird dort gleich in die Armee eingezogen, um gegen die Herero – Aufstände eingesetzt zu werden. So wird man mit den Augen Ettmanns in die frühe Phase der Kolonie und des Aufstandes, der im Genozid mündete, geführt. Zwar entwickelt Ettmann ein bemerkenswert modernes Verständnis für die Hereros, was aber nicht weiter stöhrend wirkt. Während Ton und Stil zeitweise positiv an Karl Mays Wildwest-Geschichten erinneren (durchaus von Seyfried gewollt, vergleicht er die Nama an mehreren Stellen mit Indianern), sind die Figuren eher cartoonesk gezeichnet. Das macht aber kaum was, schließlich erwartet man mit “Herero” kein Entwicklungsroman, sondern will in die Wirren und Widersprüche der Kolonie Südwest eintauchen. Prädikat “äußerst unterhaltsam”.
Eichborn Berlin Verlag, Berlin 2003

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