“Völkische Synkopen”

Bashing Teil 3 – Heute: Reggae

Jetzt weiß es auch Deutschland und eine über 10 Jahre alte Diskussion ist im Weblog angekommen: jamaikanischer Reggae ist zutiefst homophob!
Auch die Wikipedia zeugt wieder von gründlicher Recherche ihrer Autoren.

Ich gehe sogar weiter – meine These: Reggae ist vom 1. Handlanger des Teufels erfunden. Damit wäre auch der Vorwand für christliche Fundamentalisten gefunden, sich beim nächsten Reggae-Konzert – Sprengen bei den dort schon angekommenen einzureihen.

Doch beim Veranstalter Europas größtem Reggaefestival weiß man Rat:

Bei der Programmplanung für das nächste Summerjam-Festival will man sich auch aus diesem Grund wieder auf klassischen Reggae konzentrieren. “Es werden bereits Gespräche geführt, die Söhne von Bob Marley [SIC! m.] für ein weltweit einzigartiges Konzert zusammenzubringen.”

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Satirefreie Anmerkung von mir: Das Problem homophober Reggae-Texte existiert zweifelsohne und wird, wie schon angedeutet, seit weit über einer Dekade (Start mit dem Erfolg Buju Bantons “Boom Bye Bye” in USA) wird über das Thema diskutiert, gerade besonders mit den Artists selbst. Diese machen sich entweder die Wirkung außerhalb Jamaikas nicht immer ganz bewußt, oder sie sind sich derer ganz bewußt und sonnen sich gerne im Provokationspotential.
Auch die übliche Trennung a la Buju Banton (unproblematischer Sonnenscheinreggae auf den Alben für den außerjamaikanischen Markt – homophober Hardcore Dancehall auf kleinen jamaikanischen Hinterhof-Labels für den inländischen Markt) funktioniert dank guter Vertriebsvernetzung und Internet so nicht mehr.

Jedenfalls besteht kein Bedarf an Gutmensch-Ratschlägen und hanebüchener Argumentation wie obige von “außerhalb” der Reggaeszene. Die Gleichung “Reggae = homophob” geht nicht auf und steht auch noch auf dem Kopf.
Zumindest vom Kopf zurück auf den Fuß gestellt hat es der Zündfunk. Damit wird sie aber noch nicht richtiger. Aktionen, die Künstler zensieren, sind eh immer mit allerhöchster Vorsicht zu geniesen – egal, ob sie berechtigt erscheinen mögen. Man muß verstehen, daß ein in Europa gesprengtes Konzert jamaikanischer Künstler ein tief in der jamaikanischen Volkskultur verankerten Denken nicht ändern kann, sondern die Künstler, die das homophobe Denken in ihren Texten in die Welt multiplizieren, eher befremden und den Dialog darüber empfindlich erschweren.

[via Leben in Graustufen]

2 Responses to ““Völkische Synkopen””

  1. Vlkische Synkopen – kstlich!
    Die “Gruppe Manuela” erheiterte mich soeben (unmotiviertes nchtliches Herumgeklicke sei Dank) mit einem wirklich durchwegs komischen Eintrag, der ebensolche ungeteilte Aufmerksamkeit verdient wie die darin enthaltenen und stellenweise nicht minder unt…

  2. reggea…
    …stinkt natrlich zum himmel, aber aus ganz anderen Grnden (Ghost…) als man in manchen Kreisen meint.
    Das immerjunge und gewiss diskussionswrdige Thema “Homophobie und Kraftreggae” treibt in .de nach wie vor bemerkenswerte Blten; der Graustufen…